Neue Strukturen für neues Business

Das Regionalbüro Berlin, Brandenburg des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes, die Berlin Musicweek und die Jazzkom sind auf der all2gethernow-Konferenz während der Popkomm im September 2010 in einem Schwerpunktthema der Frage nachgegangen, wie geeignete Strukturen und Förderinstrumente für die Musikwirtschaft in Zeiten des ständigen Wandels von Technologien, Märkten und Geschäftsmodellen aussehen sollten.

Interessant ist diese Fragestellung insbesondere im Zusammenhang mit interdisziplinären Ansätzen und neuen Wertschöpfungsnetzwerken in anderen Bereichen der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Hier war Gelegenheit für jeden Musiker und Musikunternehmer, mit Ansprechpartnern aus Politik und Verwaltung Erfahrungen zu diskutieren und neue Ideen einzubringen.

Die Konferenz

www.a-2-n.de

Die Veranstaltungen des Schwerpunktthemas im Einzelnen

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Offene Konsultation

Montag, 6.9.2010, „R7“, Kulturbrauerei Berlin
Moderation: Dirk Kiefer, Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes

Die Szene hatte das Wort! Nach einigen kurzen Einleitungsstatements ging es rein in die Diskussion. Kritik und vor allem produktive Anregungen aus dem Publikum kreisten um die Fragen: Wie können die derzeitigen Umwälzungsprozesse in der Musikwirtschaft besser unterstützt werden? Wo greifen aktuelle Förderinstrumente besonders gut und wo gibt es Reibungsverluste? Wie sollte moderne Industriepolitik für die „Musikwirtschaft 2.0“ aussehen – oder sollte man den vielen spannenden, privatwirtschaftlichen Unternehmungen besser gar nicht in die Quere kommen?

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Panel „Infrastrukturen und Rahmenbedingungen für die Musikwirtschaft – Ein Zwischenstandsbericht“

Donnerstag, 9.9.2010, „Kantine BFG“, Flughafen Tempelhof Berlin
Moderation: Dirk Kiefer, Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes

Teilnehmer dieses Panels waren ein Vertreter der Initiative Musik, die den Fokus auf die Förderung zeitgenössischer Musik legt, Labelbetreiber und Musikjournalisten,  sowie eine Songwriterin und Produzentin.

Gemeinsam mit dem Publikum wurden eingangs die Hauptschwierigkeiten herausgearbeitet, denen Musiker heute begegnen, gefolgt von dem Versuch, diesen mit drei verschiedenen Ansätzen zu begegnen. Besonders beklagt wurde die schwierige Kommunikation mit den Banken, die komplizierten (Förder)antragsformalitäten, die mangelnde Beratung und Information sowie der immer härter werdende Wettbewerb.

Förderung versus Finanzierung

Als Möglichkeit, die Musikwirtschaft hinsichtlich dieser Schwierigkeiten zu unterstützen wurden erstens die (monetäre) Kulturförderung und staatliche Subventionierung (z.B. Initiative Musik), zweitens ganz eigene Bemühungen der Musiker/Künstler und drittens die nicht-monetäre, beratende Förderung der Kreativwirtschaft durch Stellen wie dem Kompetenzzentrum besprochen. So kristallisierte sich unter anderem heraus, dass Förderung nur in Verbindung mit Eigeninitiative seitens der Künstler funktioniert und von bereits existierenden Netzwerken sehr profitiert (was jedoch meistens ohnehin gegeben ist). Einige betrachten diese Methode jedoch sehr kritisch, da die Förderung das Risiko der Wahrheitsverzerrung und der Abhängigkeit der Künstler berge.

Außerdem wurde moniert, dass gewisse Fördermodelle existierten, die jedoch nie als solche begriffen würden: die KSK könnte z.B. durch Anpassung ihrer Beiträge ganz praktische Hilfe im organisatorischen Alltag der Künstler leisten.

Das Besondere der Musikbranche

Im Bezug auf solche Organe wie das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes, die nicht-monetäre Hilfe für alle Teilbereiche der Kreativwirtschaft anbieten, wurde der Vorwurf geäußert, dass dieses Vorgehen den Unterschieden der unterschiedlichen Szenen nicht genug Rechnung trage.

Für eine solche Herangehensweise sprechen jedoch gewisse Charakteristika, die Kreative aus allen Teilbranchen teilen: die intrinsische Motivation der Künstler (es geht eher um Überzeugung denn um ökonomische Gesichtspunkte), die langsamere Entwicklung zum wirtschaftlichen Erfolg in Kombination mit einer Verknüpfung von schwierigerer Berechenbarkeit und sehr großen Chancen, der besondere Prozess der Wertschöpfung, der oft erst in der Kommunikation mit und durch das Verständnis beim Konsumenten entsteht.

Indem die Kreativbranche als Einheit behandelt würde, könne man besser vergleich und somit auch besser voneinander lernen, indem man bereits erprobte Modelle und Methoden aus anderen Teilmärkten anwendet. Erklärtes Ziel ist es daher, die an sich wirtschaftlich bedeutende, aber sehr kleinteilige Kreativszene stärker zu vernetzen, um mehr Synergien zu bilden und allen zu helfen, und vor allem herauszufinden, welche Art der Hilfe angemessen ist.

Das Publikum

Ein paar Antworten lieferte das Publikum, das sich unter anderem weniger Gerede über Wirtschaft und mehr Fokus auf Kultur per se als ein förderwürdiges Gut wünschte, außerdem die Aufhebung der Unterteilung in U- und E-Kultur, die Einführung eines Grundeinkommens für junge Musiker, mehr Förderung und gezielte Hilfestellung für Künstler und kleine und unabhängige Clubs.

Eine persönliche Wunschliste

Die persönliche Wunschliste der Panel-Teilnehmer beinhaltete die Schaffung von positiven Grundbedingungen für gute Zusammenarbeit aller, Hilfe zur Selbsthilfe statt unmotivierter Subventionierung, eine Einstellungsänderung der Musiker in Richtung eines Gefühls, ein Teil der Gesellschaft und keine Subkultur zu sein, die Einführung eines neuen Gesellschaftsvertrages zwischen Kreativen und der Gesellschaft, etwa in Form einer Kultur-Flatrate, mehr Arbeit am Individuum, nicht nur Förderung von oben, die Schaffung von Bedingungen, die es Kreativen ermöglichen, ungestört ihrer Arbeit nachzugehen, Abschaffung des Hausbank-Prinzips für Künstler und verstärkte Bemühungen in Bezug auf den Schutz des geistigen Eigentums.

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Workshop „Giant Steps“ – Strategien für Jazzunternehmen

Freitag, 10.9.2010, „Friseur“, Flughafen Tempelhof Berlin
Moderation: Dirk Kiefer, Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes

In diesem einstündigen „Hands-On“-Workshop vermittelte Dirk Kiefer, Ansprechpartner für Berlin und Brandenburg des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes, maßgeschneidertes Know-How und strategische Orientierung für entscheidende Phasen der Unternehmensgründung und -entwicklung. Teilnehmer waren Jazzunternehmer aller Größenordnungen – vom Musiker, der ein eigenes Unternehmen gründen will, bis zum gestandenen Manager, dem es um die Weiterentwicklung des bestehenden geht. Geboten wurden u.a. Impulse für die Projektentwicklung, Tools zur Marktausrichtung sowie konkrete Informationen zu Förderprogrammen der Kultur- und Kreativwirtschaft. Alle Teilnehmer waren vor dem Workshop um eine Projektskizze und eine kurze eigenen Einschätzung der Stärken und Schwächen ihres eigenen Vorhabens gebeten worden.

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Das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes

Das beim Rationalisierungs- und Innovationszentrum der deutschen Wirtschaft (RKW) eingerichtete Kompetenzzentrum unterstützt die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung bei der Etablierung des Wirtschaftszweiges Kultur als einer zentralen Säule der zunehmend wissensbasierten Volkswirtschaft. Dabei wirkt es insbesondere als Mittler zwischen den kreativ Tätigen mit ihren besonderen Bedürfnissen und den wirtschafts- und kulturpolitischen Entscheidungsträgern.

Als eine zentrale Adresse für alle Belange der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland zeigt das Kompetenzzentrum des Bundes auf, wo Handlungsbedarf besteht und entwickelt hierfür Lösungsansätze. Durch thematische, branchenübergreifende Schwerpunkte spricht es die einzelnen kreativen Unternehmer und Unternehmerinnen ebenso an, wie die Organisationen der Teilbranchen und Institutionen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Das Kompetenzzentrum verbessert außerdem den Zugang zu bestehenden Fördermaßnahmen, die Professionalisierung und Weiterbildung vorantreiben und dabei helfen, die Marktchancen für Kreative zu optimieren und den Zugang zu internationalen Märkten zu erschließen.

www.rkw-kompetenzzentrum.de/kreativ

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Regionalbüro Berlin, Brandenburg des Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes

Der Regionale Ansprechpartner für Berlin und Brandenburg, Dirk Kiefer, berät Kulturunternehmer und Kreative unentgeltlich – direkt vor Ort und im persönlichen Gespräch.

In persönlichen Orientierungsberatungen werden erste unternehmerische Ideen geklärt , konkrete Geschäftsideen wirtschaftlich weiterentwickelt und das Vorhaben mit spezifischen Angeboten für die Kultur- und Kreativwirtschaft vor Ort verknüpft.

Durch Aufzeigen von passenden Angeboten der bestehenden Wirtschaftsförderung, sowie Networking und Erfahrungsaustausch bei Veranstaltungen strebt das Regionalbüro eine Vernetzung der lokalen Szene und eine engere Zusammenarbeit mit regionalen Dienstleistern und Wirtschaftsförderern an.

Weitere Inhalte sind Informationen zu passenden Förderprogrammen, Markt- und Arbeitsbedingungen sowie zu kaufmännischer Professionalisierung.

Die Orientierungsberatungen finden an regelmäßigen Sprechtagsorten in Berlin und Brandenburg statt.

Terminvereinbarungen und weitere Details:

Regionalbüro Berlin, Brandenburg

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