Donnerstag, 9.9.2010, „Kantine BFG“, Flughafen Tempelhof Berlin
Moderation: Dirk Kiefer, Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes
Teilnehmer dieses Panels waren ein Vertreter der Initiative Musik, die den Fokus auf die Förderung zeitgenössischer Musik legt, Labelbetreiber und Musikjournalisten, sowie eine Songwriterin und Produzentin.
Gemeinsam mit dem Publikum wurden eingangs die Hauptschwierigkeiten herausgearbeitet, denen Musiker heute begegnen, gefolgt von dem Versuch, diesen mit drei verschiedenen Ansätzen zu begegnen. Besonders beklagt wurde die schwierige Kommunikation mit den Banken, die komplizierten (Förder)antragsformalitäten, die mangelnde Beratung und Information sowie der immer härter werdende Wettbewerb.
Förderung versus Finanzierung
Als Möglichkeit, die Musikwirtschaft hinsichtlich dieser Schwierigkeiten zu unterstützen wurden erstens die (monetäre) Kulturförderung und staatliche Subventionierung (z.B. Initiative Musik), zweitens ganz eigene Bemühungen der Musiker/Künstler und drittens die nicht-monetäre, beratende Förderung der Kreativwirtschaft durch Stellen wie dem Kompetenzzentrum besprochen. So kristallisierte sich unter anderem heraus, dass Förderung nur in Verbindung mit Eigeninitiative seitens der Künstler funktioniert und von bereits existierenden Netzwerken sehr profitiert (was jedoch meistens ohnehin gegeben ist). Einige betrachten diese Methode jedoch sehr kritisch, da die Förderung das Risiko der Wahrheitsverzerrung und der Abhängigkeit der Künstler berge.
Außerdem wurde moniert, dass gewisse Fördermodelle existierten, die jedoch nie als solche begriffen würden: die KSK könnte z.B. durch Anpassung ihrer Beiträge ganz praktische Hilfe im organisatorischen Alltag der Künstler leisten.

Das Besondere der Musikbranche
Im Bezug auf solche Organe wie das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes, die nicht-monetäre Hilfe für alle Teilbereiche der Kreativwirtschaft anbieten, wurde der Vorwurf geäußert, dass dieses Vorgehen den Unterschieden der unterschiedlichen Szenen nicht genug Rechnung trage.
Für eine solche Herangehensweise sprechen jedoch gewisse Charakteristika, die Kreative aus allen Teilbranchen teilen: die intrinsische Motivation der Künstler (es geht eher um Überzeugung denn um ökonomische Gesichtspunkte), die langsamere Entwicklung zum wirtschaftlichen Erfolg in Kombination mit einer Verknüpfung von schwierigerer Berechenbarkeit und sehr großen Chancen, der besondere Prozess der Wertschöpfung, der oft erst in der Kommunikation mit und durch das Verständnis beim Konsumenten entsteht.
Indem die Kreativbranche als Einheit behandelt würde, könne man besser vergleich und somit auch besser voneinander lernen, indem man bereits erprobte Modelle und Methoden aus anderen Teilmärkten anwendet. Erklärtes Ziel ist es daher, die an sich wirtschaftlich bedeutende, aber sehr kleinteilige Kreativszene stärker zu vernetzen, um mehr Synergien zu bilden und allen zu helfen, und vor allem herauszufinden, welche Art der Hilfe angemessen ist.
Das Publikum
Ein paar Antworten lieferte das Publikum, das sich unter anderem weniger Gerede über Wirtschaft und mehr Fokus auf Kultur per se als ein förderwürdiges Gut wünschte, außerdem die Aufhebung der Unterteilung in U- und E-Kultur, die Einführung eines Grundeinkommens für junge Musiker, mehr Förderung und gezielte Hilfestellung für Künstler und kleine und unabhängige Clubs.
Eine persönliche Wunschliste
Die persönliche Wunschliste der Panel-Teilnehmer beinhaltete die Schaffung von positiven Grundbedingungen für gute Zusammenarbeit aller, Hilfe zur Selbsthilfe statt unmotivierter Subventionierung, eine Einstellungsänderung der Musiker in Richtung eines Gefühls, ein Teil der Gesellschaft und keine Subkultur zu sein, die Einführung eines neuen Gesellschaftsvertrages zwischen Kreativen und der Gesellschaft, etwa in Form einer Kultur-Flatrate, mehr Arbeit am Individuum, nicht nur Förderung von oben, die Schaffung von Bedingungen, die es Kreativen ermöglichen, ungestört ihrer Arbeit nachzugehen, Abschaffung des Hausbank-Prinzips für Künstler und verstärkte Bemühungen in Bezug auf den Schutz des geistigen Eigentums.